Heidrun Jakobs - 16. Januar 2026
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Festgeldanlagen versprechen Sicherheit und feste Zinsen, doch viele Anleger unterschätzen die Gefahren des Internets. Plattformen wie Zinsnow und Kapitalpool, bzw. Anlagenwelt locken mit guten Angeboten und Kontakten zu renommierten Kapitalanlagegesellschaften oder Banken. In den allermeisten Fällen handelt es sich hierbei jedoch um Kapitalanlagebetrug.
Was ist Kapitalanlagebetrug bei Festgeldanlagen?
Festgeld ist eigentlich eine sichere Anlageform: Sie geben einer Bank Geld für eine feste Laufzeit und erhalten im Gegenzug Zinsen. Seriöse Anbieter unterliegen der Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro pro Kunde und werden von Aufsichtsbehörden wie der BaFin reguliert. Doch Betrüger nutzen das Internet, um gefälschte Plattformen aufzubauen. Sie werben mit höheren Zinssätzen von etwa 3,5 %, während die Marktzinsen bei 1 bis 2 % liegen. Die Abwicklung der Geldanlagen soll meist über "europäische Partnerbanken" erfolgen, was Vertrauen erwecken soll.
Der Trick: Sie überweisen Ihr Geld auf eine IBAN, die von den Betrügern initiiert wurde. Nach der Überweisung brechen die Kontakte ab, Auszahlungen werden verschleppt, und Ihr Kapital ist weg. Laut BaFin und Verbraucherschützern gibt es Hunderte solcher Fälle jährlich, mit Verlusten in Millionenhöhe. Früher waren utopische Zinsen ein klares Warnsignal, heute sind die Angebote geschickter: Die Zinsversprechen wirken plausibel.
Fallbeispiel 1: Zinsnow – Eine BaFin-Warnung vor unerlaubten Angeboten
Die Plattform zinsnow.com präsentierte sich als Vergleichsportal für Fest- und Tagesgeld aus Europa, mit einfacher Eröffnung und hohen Zinsen. Am 31. Oktober 2025 hat die BaFin vor dieser Seite gewarnt. Nach Erkenntnissen der Aufsichtsbehörde bieten die unbekannten Betreiber dort ohne Erlaubnis Bankgeschäfte an, insbesondere Festgeldanlagen mit Rückzahlungsversprechen. Wer investiert, erhält täuschend echte Antragsformulare, überweist oftmals auf ausländische IBANs. Bei einer Überweisung auf inländische Konten sind meistens sogenannte "Finanzagenten" dazwischengeschaltet, also unbeteiligte Dritte, die den Betrügern nur ihr Konto zur Verfügung stellen.
Fallbeispiel 2: Kapitalpool und Anlagenwelt – Betrug mit dem IBAN-Trick
Ähnlich alarmierend ist kapitalpool.de und die verbundene Website anlagenwelt.de. Die BaFin warnte bereits am 17. Januar 2025 vor dieser Plattform. Hier wird mit “Pool-Anlagekonten” und attraktiven Festgeldern geworben. Auch hierbei handelt es sich um einen klassischen Anlage-Betrug. Die Anleger überweisen Geld auf eine IBAN einer Partnerbank, tatsächlich gehört die IBAN jedoch den Betrügern. Der “IBAN-Trick” nutzt aus, dass Banken bis Oktober 2025 nicht streng prüften, ob Name und IBAN übereinstimmen – seitdem gibt es Pflichtabgleiche, aber viele fallen immer noch rein.
Sowohl Zinsnow, Kapitalpool und Anlagenwelt haben mittlerweile ihre Webseiten gelöscht. Täglich erscheinen jedoch neue Webseiten mit Angeboten, die auf die gleiche Art und Weise betrügerisch agieren. Achten Sie auf die folgenden Warnsignale um zu vermeiden, dass Sie Opfer eines Kapitalanlagebetrugs werden:
• Zu gute Zinsen: Wenn das Angebot deutlich über dem Marktdurchschnitt liegt (aktuell ca. 1–3 % für Festgeld), ist Vorsicht geboten.
• Keine BaFin-Lizenz: Prüfen Sie auf bafin.de, ob der Anbieter registriert ist. Zinsnow, Kapitalpool, und Anlagenwelt waren es nicht.
• Ausländische IBANs ohne klare Bank: Oft führen sie zu Konten in Litauen oder Estland, die Betrügern gehören.
• Druck und Eile: Betrüger pushen schnelle Überweisungen mit “begrenzten Angeboten”.
• Fehlende Transparenz: Kein Impressum, anonyme Betreiber oder falsche Referenzen.
• Warnlisten checken: Schauen Sie auf test.de oder verbraucherzentrale.de Dort finden Sie Warnungen vor ähnlichen Scams.
Am sichersten fahren Sie, wenn Sie Geldanlagen über das Internet mit völlig unbekannten Anbietern gänzlich vermeiden. Gleiches gilt für Geld-Anlagen in WhatsApp-Gruppen. Dann doch lieber eine Festgeldanlage bei einer seriösen Bank. Bei Unsicherheiten vor einer Geldanlage können Sie sich auch einen spezialisierten Anwalt oder Anwältin im Bank- und Kapitalanlagerecht zu Rate ziehen. Hier hat man die Erfahrung und kann einen Kapitalanlagenbetrug schnell einschätzen.
Wenn Sie aber schon betroffen sind: Handeln Sie schnell. Melden Sie den Fall sofort Ihrer Bank (für mögliche Rückbuchung), der Polizei und der BaFin. Auch hier können spezialisierte Anwälte helfen, das Geld zurückzuholen. Je früher, desto besser sind die Chancen.





